Rezensionen

Falco das Musical – Wien zu Gast in Leipzig

Falco war schon immer mein Ding, seinen legendären Auftritt auf der Donauinsel 1993 habe ich als Kind andauernd auf VHS geschaut, damals auf dem knisternden Röhrenfernseher in unserer Neubauwohnung. Zu der Zeit war ich in der Grundschule, ihr seht die Musik von Falco begleitet mich schon länger als einige von euch überhaupt leben, nämlich gut 30 Jahre. Krass, wenn man das so schreibt, klingt es, als sei ich sehr alt.

Ich habe die Karten zu Weihnachten bekommen und ihr könnt euch kaum vorstellen, wie groß die Freude auf den Abend war. Schon öfters habe ich den Film „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ geschaut, in dem eigentlich sein ganzes Leben biografisch dargestellt wird. Ich kenne also Falco und seinen Werdegang recht gut, nicht so dass ich ein Experte bin, aber einige Dinge könnte ich aus seinem Leben erzählen. Als wir dann im vergangenen Jahr in Wien waren, gehörte es für mich zum absoluten Pflichtprogramm, sein Grab zu besuchen, für mich als Fan ein bewegender Moment.

Falco – Grabstätte – Quelle: Wikipedia Artikel Falco

Ally und ich machten uns also an einem Samstag auf den Weg nach Leipzig, wie die Woche zuvor bei den Ehrlich Brothers (den Artikel dazu findet ihr hier) fand die Vorstellung in der Arena statt. Ohne Probleme fanden wir einen Parkplatz, kauften uns vor der Halle wieder die obligatorische Bratwurst für sagenhafte 5 € das Stück und waren dann relativ zeitig in der Halle.

Es waren deutlich weniger Menschen als bei den Ehrlich Brothers, die Bühne stand auch weiter vorne, so dass ein Teil der Halle nicht genutzt wurde. Wie viele Menschen da waren, kann ich nicht sagen, leider habe ich dazu auch keine Zahlen gefunden, wenn ich es mit der Woche vorher vergleiche, würde ich sagen 2.000 – 3.000 Menschen waren vor Ort. Der große Vorteil war, wir mussten dieses Mal nicht so lange anstehen, um etwas zu trinken zu bekommen. Wir saßen relativ schlecht, weit von der Bühne entfernt in einem der Eckbereiche, so dass wir auch die ganze Zeit nach links schauen mussten, um etwas zu sehen. Die Plätze in der Arena auf diesen engen Plastestühlen sind alles andere als bequem, Beinfreiheit sucht man auch vergeblich.

Für 10 € kaufte ich mir dann noch ein Programm, welches ich beim Warten in gut 15 Minuten durchgelesen hatte, das Geld hatte sich mal so richtig gelohnt (Ironie!). Endlich ging die Vorstellung los und was soll ich sagen, ich verstand so gut wie nichts von dem, was da auf der Bühne passierte. Es tauchten immer wieder Figuren auf, die aber mit keinem Wort erklärt wurden. Auch die erzählte Geschichte gab sich überhaupt keine Mühe, uns als Betrachter abzuholen. Mein Eindruck war schnell, dass versucht wurde, hier Kunst auf die Bühne zu bringen, anstatt ein solides Musical, man wollte einfach mehr als man umsetzten konnte. Zeitweise fühlte ich mich, als ob ich nachts 3SAT schaute und dort eine dieser Opern lief, in der Menschen in komischen Kostümen hin und her tanzten ohne jeglichen Zusammenhang, ihr wisst bestimmt was ich meine.

Schwierig war, dass vorab mit Superlativen nur so um sich geschmissen wurde, hier mal einige Worte mit denen die Show angekündigt wurde und die sich auch im offiziellen Programm und auf der Homepage fanden:

  1. Bildgewaltig und exzentrisch
  2. Es wird eine neue Seite von Falco gezeigt
  3. Spannende Geschichte des Wieners
  4. Live-Erlebnis führt durch die prägendem Stationen

Als erstes möchte ich kurz auf den ersten Punkt „Bildgewaltig und exzentrisch“ eingehen. Ich durfte ja schon einige Musicals ansehen und kann deswegen gut Vergleiche ziehen. Der gesamte Cast bestand aus vielleicht acht Leuten und einer kleinen fünfköpfigen Band, so wenige Darsteller habe ich bisher noch nie gesehen. Selbst bei kleinen Produktionen an der Oper Halle waren deutlich mehr Leute auf der Bühne, ganz zu schweigen vom Vergleich eines ordentlichen Orchesters und dieser kleinen Band. Auch habe ich die ganze Zeit auf diese Bildgewalt gewartet, denn wirkliche Requisiten suchte man vergebens, hier mal ein Bild mit dem einzigen Requisit, das immer wieder zu sehen war. Darf ich vorstellen, die Treppe:

Falco – Das Musical

Diese Treppe konnte geteilt werden und wurde durch die Personen auf der Bühne immer hin und her geschoben. Ansonsten fielen mir ein Stuhl und ein beleuchteter Spiegel auf, das war eigentlich alles an Requisiten. Ach so, bei seinem Abflug in die DomRep wurden Schilder eines Flughafens aufgebaut, ach nein, es war nur die Rückseite der Treppe, wahrlich ein Tausendsassa was die alles dargestellt hat. Im Hintergrund gab es noch eine Leinwand, auf welcher dann etwas projiziert wurde. Was da genutzt wurde, sah ehrlich gesagt eher wie billigster Stock-Footage aus, nicht wie für die Aufführung hergestellt. In Zeiten von KI wäre es ein leichtes gewesen, da schöne Hintergründe erstellen zu lassen.

Diese neue Seite von Falco hat sich mir persönlich nicht gezeigt, die Geschichte kratzte nur an der Oberfläche, ich möchte das nur an einem Beispiel zeigen um euch nicht zu langweilen. Falco hatte eine Tochter, um die er sich viele Jahre kümmerte, die zerrüttete Liebesbeziehung dazu lasse ich mal außen vor. Nach vielen Jahren kam dann aber heraus, dass dieses Kind nicht von ihm ist, eine Situation, die ihn im wahren Leben extrem belastet haben soll. In diesem authentischen Musical wurde dieser tragische Teil seines Lebens in einem einzigen Satz abgehandelt, das war alles. Wie nebenbei erzählt die Hauptfigur nur, dass es nicht sein Kind ist.
Eine neue Seite suchte ich absolut vergebens, eher hat mich dieses Musical verwirrt und voller Fragen zurück gelassen. Auch hier empfehle ich für alle interessierten einfach den Film über Falco zu schauen, denn in dem wird tatsächlich sein Leben gezeigt, das Musical schaffte dies überhaupt nicht. Schade, denn wenn man schon die ganze Geschichte in Erzählform des Managers aufbaut, hätte man alles auch dadurch etwas erklären können, aus meiner Sicht wäre es ein Einfaches gewesen.

Auch die spannenden Geschichten konnte ich nicht entdecken, seichte Unterhaltung, die versucht, experimentelle Kunst darzustellen, trifft es für mich eher. Die Darstellung seiner inneren Zerrissenheit durch die beiden weiblichen Darstellerinnen kam für mich überhaupt nicht rüber. Ganz im Gegenteil, im Musical fragte ich mich immer wieder, warum diese Personen nun singen und was das alles darstellen soll, erklärt hat die Geschichte dazu überhaupt nichts, das musste man sich selbst herleiten. Gar nicht gut fand ich, dass die Darstellerin, die Jeany spielte, in einer Szene mit ihm sang, direkt in der nächsten Szene spielte diese nun mit einmal eine Maskenbildnerin, erkennbar nur durch einen kleinen Gürtel. Dies war wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass möglichst wenig Geld für Darsteller ausgegeben werden sollte. Es verwirrte einen einfach beim Zusehen.

Was auch immer wieder auffiel, war die schlechte Musik, einige Lieder waren sehr leise, das nächste Lied unfassbar laut. Ich glaube das lag daran, dass wir ja in den Rängen an der Seite saßen und die Boxen nur auf den Sitzbereich vor der Bühne ausgerichtet waren, anders kann ich mir diese Schwankungen nicht erklären und das fiel sogar Ally auf. Leider waren auch die Tänzer auf der Bühne nicht so gut, grade bei Stellen in denen synchron getanzt werden sollte, war von Tänzer zu Tänzer teilweise ziemlich großer Versatz, was im ganzen irgendwie albern aussah. In einer Szene gab es klassischen Paartanz und was da abgeliefert wurde, erinnerte mich persönlich eher an den Abschlussball der Tanzschule damals in der 10 Klasse. Dafür, dass die Karten in der schlechtesten Kategorie mindestens 60 € kosteten, war das schon echt nicht gut was dafür geboten wurde. Mir als Zuschauer drängte sich wirklich der Verdacht auf, es geht nur um Gewinnmaximierung nicht um eine authentische Darstellung.

Wirklich gut gefallen hat mir die Hauptfigur, der Falco-Darsteller war für mich hervorragend. Er hat wirklich schön gesungen und auch seine Aussprache, seine Mimik und Gestik haben für mich richtig gut gepasst. Es gibt zwei Darsteller, ich glaube aber an dem Abend war es Alexander Kerbst und der hat für mich als Einziger an diesem Abend wirklich abgeliefert. Falls er später mal als Falco Tribute auftreten will, dafür würde ich sofort Geld bezahlen, um das zu sehen.

Fazit: Wer vorab große Erwartungen weckt, hat es schwer diese dann auch zu erfüllen. Falco das Musical ist dafür das beste Beispiel, viel versprochen, wenig gehalten, ausgenommen der Falco-Darsteller. Nicht sehenswert, auch nicht wenn die Karte die Hälfte kosten würde.

Ich hoffe die Treppe nach ihren unfassbar vielen Rollen in anderen Musicals bestaunen zu dürfen, für mich der Gewinner des Abends.

No Comments

    Leave a Reply

    18 − 18 =