Andy's

Torgau in Flammen – Stahlzeit

Rammstein ist mein Ding, habt ihr ja vielleicht schon gemerkt. Was ich eigentlich nicht so gern habe, sind Coverbands. Mir erschließt sich nicht, warum man eine Band nachmacht, anstatt sein eigenes Ding durchzuziehen. Für mich hat das immer den Beigeschmack, auf der Arbeit der anderen schnell Geld zu machen. So wäre ich persönlich auch niemals zu Stahlzeit gegangen, laut eigener Aussage die beste Rammstein-Coverband. Doch mein Vater fragte mich, ob ich mitkommen wollte. Da ich neugierig war, sagte ich zu, bevor ich den Kartenpreis erfahren habe, über 40 € erschien mir sehr viel für eine Band die nur eine andere Band nachmacht.

Der Tag des Konzertes kam und so machten wir uns zu viert auf den beschwerlichen Weg nach Torgau, wer schon einmal die Strecke gefahren ist und dabei nicht über die Bundesstraße direkt von Leipzig kam, sondern von einer anderen Seite, wird wissen, was ich meine. Die dortigen Bundesstraßen sind meist nur schmale Straßen ohne Fahrbahnmarkierung und man fährt von Dorf zu Dorf ohne dabei gefühlt voran zu kommen. Für die eigentlich relativ kurze Strecke braucht man immer locker eine Stunde.

Stattfinden sollte das ganze im Schloss Hartenfels in Torgau, eigentlich eine coole Location für diese Art von Musik. Vor einiger Zeit war ich dort schon einmal mit Ally zu einem Auftritt von Max Raabe, leider war die Akkustik dabei extrem schlecht gewesen. Umso gespannter war ich und wartete auf das Kommende. Erst einmal waren wir etwas essen, denn wir sind dann doch deutlich früher da gewesen. Gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Schloss, wobei ich dank Ally den anderen noch ein wenig in der Innenstadt von Torgau zeigen und erzählen konnte. Erreichbar ist der Innenhof des Schlosses nur über eine Brücke, vor der der Einlass aufgebaut war. Die Security war sehr freundlich und wir mussten auch nicht warten, schon mal der erste Pluspunkt. Drinnen angekommen war noch viel Platz, man hätte sich auch direkt an die Bühne in Reihe eins stellen können. Ich nun erst mal ganz der Tradition folgend auf zum Merch-Stand. Es gab einige Stahlzeit-Shirts, Pullover und andere Dinge, was mir wirklich gut gefiel. Ich entschied mich für ein T-Shirt, der Preis war dabei relativ ok für die Qualität. Was ich nicht gut fand war, dass man nur bar zahlen konnte, obwohl es ein Kartengerät gab, welches laut Aussage der Mitarbeiterin aber nur als Kasse dient und nicht freigeschalten ist zum Zahlen. Ich selbst nutze kein Bargeld mehr und hätte mir gewünscht, dass wenigstens ein Zettel aushängt „Nur Bargeld“ oder dergleichen. Aber das ist ausschließlich meine eigene Meinung und ich würde es nie beim abschließenden Fazit einfließen lassen.

Nachdem wir einige Zeit am Rand gesessen hatten, füllte sich das Schloss, bis ca. 45 Minuten vorm Konzert der ganze Hof rappelvoll war, dass so viele Menschen kommen, hätte ich nicht für möglich gehalten. Leider fand ich im Nachgang keine Zahlen, doch vor Ort wurde von rund 2.000 Leuten gesprochen. Eine ziemlich große Menge also. Bevor das Konzert beginnen sollte, teilten wir uns dann auf, ich wollte ganz nach vorne, zwei stellten sich nicht so weit rein. Man muss sagen, das selbst ganz vorne noch recht viel Platz war und man konnte wirklich angenehm stehen. Doch zuerst wollte ich noch etwas zu trinken und so machte ich mich auf zu einem der typischen Bierwagen mit einer kompletten Theke außen und den Mitarbeitern darin. Der Andrang war nicht zu groß, so dass ich auf ein schnelles Getränk hoffte, was aber leider nicht der Fall war. Ich stand an einer Ecke des Getränkewagens, im Geschäft waren 5 Mitarbeiter:Innen, die Bier zapften und bedienten. Alle trugen auf dem T-Shirt „Kulturhaus Torgau“, welche anscheinend diese Wagen betrieben. Neben mir wurden Leute schon ziemlich pampig, schnell verstand ich auch warum. Die Mitarbeitenden haben alle nur eine Ecke bearbeitet anstatt sich aufzuteilen, so dass teilweise Menschen in der Ecke, in der ich stand, gar nicht bedient wurden, während in der anderen Ecke gleich zwei oder drei Leute die Bestellungen aufnahmen. Die Ecke wechseln war nicht so einfach möglich, dafür waren es dann doch zu viele Leute am Stand. Trotz dass die Leute in meiner Ekce schon sehr sauer waren und nach einer Bedienung gerufen haben, standen diese teilweise einfach herum und ignorierte diese Seite des Wagens komplett, warum weiß ich nicht. Es dauerte dann ziemlich genau 30 Minuten bis ich mein Getränk erhalten habe, was absolut nicht akzeptabel war bei der Menge an wartenden Kunden. Also das Kulturhaus Torgau sollte hier dringend neue Arbeitsabläufe einführen oder die Mitarbeitenden schulen.

Wir machten uns dann auf den Weg nach vorne zur Bühne, nun war wie gesagt der ganze Hof voller Menschen. Stahlzeit spielte eine andere Setlist als Rammstein, wobei die Bühnenshow wirklich gut war. Es gab etliche Requisiten, auch Feuer, aufwendige Lichter und dergleichen hatte die Band im Gepäck. Die Soundanlage war vom Feinsten, man spürte jeden Ton im Körper. Die Band war absolut solide und spielte die Lieder meiner Meinung nach sauber runter, der Sänger war von der Stimme ähnlich der von Till Lindemann, es gab also echt nichts zu meckern. Ganz im Gegenteil, es machte wirklich Spaß, den Jungs auf der Bühne bei ihrer Show zuzuschauen und die Musik zu genießen. Auch das Puplikum war gut drauf, tanzte und sang lautstark mit. Nur dass viele Kinder um einen standen, war ungewöhnlich, neben mir stand ein vielleicht zehnjähriger Junge, der jedes Lied laut brüllte und wenn ein kleines Kind da von dicken Titten, Tod und Zerstörung singt, das finde ich persönlich einfach nicht richtig.

Abschließend bleibt zu sagen, solides Konzert, spektakuläre Bühnenshow und gut gemachte Lieder. Ich werde definitiv mal wieder zu Stahlzeit gehen, Cover-Bands sind doch nicht so verkehrt wie ich dachte, danke für die Erkenntnis Stahlzeit.

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