Andy's Rezensionen

Die Säulen der Erde (Ken Follet)

Wenn man von dicken Schinken spricht, dann spielen die Bücher der Kingsbridge-Trilogie ganz vorne mit. Eine schier endlose Anzahl an Seiten, klein geschrieben, eng bedruckt und wisst ihr was, wegen mir könnte es gern noch länger sein. Als großer Fan des Mittelalters ist die Kingsbridge-Saga natürlich Pflichtlektüre. „Die Säulen der Erde“ ist das erste Buch einer Trilogie, die inzwischen noch um zwei Bücher erweitert wurde. Ehrlich gesagt, ich habe die Bücher nicht gelesen, sondern gehört und das bereits zwei Mal, so gut finde ich diese Meisterwerke.

Ken Follet ist dafür bekannt, historisch korrekt zu recherchieren, es gab sogar historische Fakten, die erst Follet und sein Team aufbereitet haben und die ihm bei historischen Fachleuten viel Ansehen und eine unvergleichbare Reputation eingebracht haben. Er erforschte wie keiner vor ihm die Logistik hinter dem Kathedralenbau der damaligen Zeit und den profanen Alltag auf den Baustellen für Steinmetze, Zimmerleute und andere Gewerke. Seine Darstellung der wirtschaftlichen Realität hinter dem Sakralbau war so präzise, dass sie heute oft als Referenz genutzt wird, um die soziale Dynamik des Mittelalters zu erklären. Follet beschrieb wie niemand vor ihm den Übergang von der Romanik mit dessen Rundbögen zur Gothik und den markanten Spitzbögen. Er brach statische Probleme für Laien herunter, seine Erklärungen darüber werden außerhalb seiner Bücher genutzt. Follett entwarf Kingsbridge als fiktives Modell einer englischen Stadt, die um ein Priorat wächst. Er recherchierte so genau über Marktrechte, Wollhandel und die Machtkämpfe zwischen Kirche und Adel, dass Historiker sein Szenario oft als idealtypisches Beispiel für die Entstehung von Handelszentren im 12. Jahrhundert zitieren.

Alle fünf Bücher nehmen den Leser mit auf eine authentische Reise ins Mittelalter unterschiedlicher Epochen, einfach gesagt, jedes Buch ein Zeitraum. Kingsbridge ist ein fiktiver Ort in Großbritannien, der aber so unfassbar echt wirkt, dass ich beim ersten Mal hören des ersten Buches ungläubig gegoogelt habe, wo Kinksbridge lag und nicht glauben konnte, dass es sich um reine Fiktion handelte. Ich möchte nur ganz grob auf die Handlung eingehen, man begleitet eine Familie um den Steinmetz Tom Builder und einen einfachen Mönch, Bruder Philip, durch ihr ganzes oftmals beschwerliches Leben von 1135 bis 1174. Alles wird beim Lesen so lebendig, als sei man selbst dabei, ist ein Teil des damaligen Lebens. Mit dem Hintergrundwissen der extremen Recherchetiefe fällt es schwer, „Die Säulen der Erde“ als Unterhaltungsbuch zu sehen, eigentlich ist es eine detaillierte Beschreibung der damaligen Zeit, fesselnd und spannend erzählt ohne zu übertreiben. Nicht ohne Grund wird dieses Werk häufig in Artikeln genannt von Büchern, die man unbedingt gelesen haben muss.

Follet schafft es scheinbar mit Leichtigkeit, dass wir mit den Protagonisten und auch vielen Randfiguren mitfiebern und emotionale Bindungen herstellen, gleichzeitig erlebt der Leser auch wie hart das Mittelalter war. 

Wenn ich in meinem Leben nur noch ein Buch lesen durfte, dann wäre es eindeutig „Die Säulen der Erde“, schon weil man aufgrund der schieren Masse immer wieder neue Facetten entdeckt. Dürfte ich nur noch eine Reihe lesen, dann wäre es die Kingsbridge-Saga. Für mich schlicht und ergreifend ein perfektes Buch in einer ebenso unübertroffenen Reihe. Übrigens, das Buch wurde in einer Serie erfolgreich verfilmt, auch diese kann ich uneingeschränkt empfehlen. Es gibt sogar ein Brettspiel und ein Computerspiel.

Also Leute, schnappt euch den dicken Schinken oder zieht euch das fast 49 Stunden lange Hörbuch rein, ihr werdet es nicht bereuen. Denn wenn ihr das Buch lest, trainiert ihr ganz automatisch die Armmuskeln.

Fazit 5+/5 Sterne

Quelle Titelbild: https://the-passion-of-books.blogspot.com/2017/03/buch-vs-film-die-saulen-der-erde.html

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