Rezensionen

Wie Farben im Regen – Liebe ist Band 3 (Alicia Zett)

Zum Inhalt

Caro und Sam sind das Traumpaar am Internat Schloss Mare. Gemeinsam haben sie die Queer & Friends AG gegründet und spielen im Fußballteam. Am liebsten würde Caro für immer am Internat bleiben – doch nun steht das letzte Schuljahr an. Sie hat Angst, ihre Freund*innen zu verlieren, und auch Sam scheint ihr immer mehr zu entgleiten. Doch das hat einen Grund: Sam ist nicht die beliebte Stürmerin, für die ihn alle halten – sondern Samuel, der beliebte Stürmer. Als er es schafft, sich Caro anzuvertrauen, wirft das viele Fragen auf: Darf er nach wie vor im Fußballteam spielen? Wie outet man sich am besten vor Freund*innen und Verwandten? Und was bedeutet das für die beiden als Paar? (Zitat Klappentext)

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Meine Meinung

Was für eine Achterbahnfahrt der Gefühle! „Wie Farben im Regen“ ist der perfekte Abschluss der Liebe ist-Reihe und wie erwartet, ist mir der Abschied vom Internat Schloss Mare sehr schwer gefallen. Ich habe das Buch vor ein paar Tagen beendet und musste es erst mal ein wenig verarbeiten. Die letzten Seiten haben mich sehr stark an meinen Schulabschluss und die Wochen danach denken lassen, aus verschiedenen Gründen hatte ich damals keine leichte Zeit. Aber ich liebe das Ende des Buchs und besonders der Epilog hat dazu beigetragen. Alicia, könntest du dir vorstellen, uns zum Beispiel über Kurzgeschichten weiterhin am Leben der Charaktere teilhaben zu lassen? Das wäre einfach schön!

Schon beim sehr persönlichen Vorwort der Autorin wusste ich, dass mich eine emotional aufwühlende Geschichte erwartet. Und ich hatte Recht. Ich habe mit Caro und Samuel mitgefiebert und während des Lesens sehr viel nachgedacht. Die Veränderungen, die Samuel durchmacht und noch durchmachen wird, sind so lebensverändernd, dass ich allein beim Lesen schon arg ins Grübeln geraten bin. Wie Caro tue auch ich mich mit Veränderungen schwer und so konnte ich ihre Gedanken absolut nachempfinden.

Protagonistin Caro habe ich seit Band 1 gemocht. Jetzt in ihrer Geschichte habe ich gemerkt, wie viel wir gemeinsam haben. Wir kümmern uns zum Beispiel beide gern um andere und vergessen uns selbst manchmal dabei. Wir machen beide anderen gern Geschenke, aber es ist uns unangenehm, selbst Geschenke zu bekommen. Ich mochte ihre persönliche Entwicklung im Laufe der Geschichte und auch, dass Louise, die Protagonistin aus Band 1, eine größere Rolle inne hatte. Louise mochte ich schon seit „Wie Wellen im Sturm“.

„Vielleicht ist es wie mit den Farben im Regen. Sie laufen ineinander, nehmen eine neue Farbe an und verwischen. Aber dadurch entstehen neue Kunstwerke. (…) Vielleicht bringt Veränderung neue, wundervolle Momente hervor.“

Zitat Seite 489

Ich habe mir wieder so viel markiert. Besonders die Stellen, in denen der Titel direkten Bezug zur Handlung hat. Das hat mir schon in den ersten beiden Büchern unglaublich gut gefallen. Der Schreibstil war insgesamt wieder sehr schön, flüssig und bildhaft. Ich konnte das Buch oft gar nicht aus der Hand legen, weil die Geschichte und vor allem eben der Schreibstil so mitreißend waren. An manchen Stellen musste ich mich aber auch mal von der Geschichte lösen, um das Gelesene zu verarbeiten.

Ich kann das Buch, bzw. die ganze Reihe, sehr empfehlen. Ein wunderschönes Internats-Setting an der Nordsee, wichtige Themen, ein großartiger Schreibstil und Charaktere, die einem ans Herz wachsen und mit denen man mitfiebert.

„Ich glaube, dieses Jahr haben wir beide gelernt, dass es am wichtigsten ist, das zu machen, was einen selbst glücklich macht. Ganz gleich, was alle anderen sagen.“

Zitat Seite 423

Da ich selbst Mutter bin, kann ich die anfängliche Überforderung von Samuels Eltern nachempfinden. Wie sie möchte auch ich, dass mein Kind glücklich ist und wenn es dafür „das Geschlecht wechseln muss“ (ich kann es nicht besser ausdrücken), dann ist es eben so. Ich habe viel darüber nachgedacht und wusste auch vorher schon, dass ich mein Kind bei allem unterstützen würde. Aber dennoch darf man als Eltern erst mal überfordert sein und nachfragen. Man möchte einfach alles richtig machen, auch wenn das nicht möglich ist. Man möchte das Kind vor Schaden bewahren, vor falschen Entscheidungen, vor Ausgrenzung und Anfeindung durch andere. Samuel, Caro und ihre FreundInnen wachsen in einer ganz anderen Zeit auf, als deren Eltern. An manchen Stellen im Buch hätte ich gern mit ihnen gesprochen: Sie beschweren sich, dass sie nicht gesehen werden wie sie sind, dass sie zu wenig unterstützt werden, aber gleichzeitig geben sie sich keine Mühe, ihre Eltern zu verstehen. Samuel und Caro haben sich lange mit Samuels Trans-Identität beschäftigt, warum dürfen die Eltern nicht auch Zeit brauchen? Ich könnte hier noch eine ewig lange Diskussion über Generationen und deren unterschiedliche Ansichten zu Trans- und Gender-Themen führen, aber das würde den Rahmen sprengen. Was ich sagen will ist, dass auch wenn man sein Kind liebt und es bei allem unterstützt, darf man nachfragen und erst mal überfordert sein, weil man sein Kind beschützen will. So wie man es schon sein/ihr ganzes Leben getan hat. Weil man es liebt, wie es eben ist. Veränderungen machen vielen Menschen Angst, deswegen hat jeder das Recht, über Veränderungen nachzudenken und sich dann erst zu äußern. Liebe ändert sich dadurch nicht, aber man muss manches eben erst selbst verarbeiten. Ich schweife schon wieder ab. Liebe ist Liebe.

Fazit

Das Buch war mir einerseits zu rosarot, zu unrealistisch, weil es fast schon zu perfekt lief. Andererseits macht genau das Mut und zeigt, wie es sein sollte, nämlich dass jeder bedingungslos akzeptiert wird, wie er/sie ist.


Allgemeines zum Buch

Autor: Alicia Zett
Verlag: ONE
Erscheinungsdatum: 29.02.2024
Seiten: 496
Genre: Young Adult
Dritter Band einer Companion-Trilogie
Meine Bewertung: 4/5 Sterne

Unbezahlte Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, das mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Vielen Dank dafür!

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