Andy's

Ein Abend mit Helge Schneider

An Helge Schneider scheiden sich die Geister, augenscheinlich gibt es niemanden, dem er egal ist, entweder hasst man ihn oder man liebt seinen Klamauk. Schon immer beeindruckte mich seine enorme musikalische Begabtheit, das virtuose Spiel mit mehreren Instrumenten, teils gleichzeitig, das hinterließ bei mir die Frage, wie macht der das bloß. Und dann auch noch live, in Kombination mit anderen Musikern und das ganze erfunden in dem Moment und wenn die Note gespielt war, würde sie genau so vielleicht nie wieder erklingen, Wahnsinn. Ausgewachsen war ich mit Helge Schneiders Film „Praxis Doktor Hasenbein“ und oft hatte ich in früheren Jahren seine CDs und Kasetten gehört, oftmals ausgeliehen in unserer Bücherei. Lustigerweise hatte meine Frau entdeckt, dass er in Chemnitz spielen würde, fast ein Jahr vorher als wir beim Kulturstadtmarathon waren, um in der gleichen Halle meine Startunterlagen abzuholen, ich lief nämlich die 11 km Strecke und dort entdeckte sie an einer Wand das Plakat. So kam es, dass ich an dem Tag zwischen den Nudeln der Pasta-Party eine Karte kaufte.

Nun war ich also wieder auf dem Weg nach Chemnitz. Ein erster Schock als ich merkte, es war eine Halle, in der Getränke verboten waren und da ich spät dran war, hatte ich auch keine Lust auf Krampf noch ein Glas zu leeren. Ich saß im ersten Oberrang, quasi direkt über der Bühne, der Platz am Gang gelegen war absolut perfekt. Also fast, denn kurz vor Beginn kamen Leute, welche die direkten Nebenplätze belegten, welche gelinde gesagt aus einer alternativen Kommune entsprungen zu schienen. Ich stellte mich in den Gang, neben mir waren 4 freie Plätze, doch es waren 5 Leute, eine der Damen verbrachte den Abend tatsächlich auf dem Schoß eines der anderen, doch es wurde noch skurriler. Ich dachte ich sehe nicht recht, die Dame, die noch neben mir stand, hielt ein Baby im Arm, maximal ein halbes Jahr alt, in einem Konzertsaal, bei Helge Schneider. Ehrlich gesagt war in dem Moment meine Laune im Keller, dazu noch der Geruch, den diese Menschen ausströmten, den ich hier nicht näher beschreiben möchte, ließen den bis dahin perfekten Platz plötzlich als ungeeignet wirken. (Ich habe nichts dagegen, wenn jemand sein Kind mit zum Konzert nimmt, solange es angemessen ist. Kleine Kinder haben zum Beispiel bei Rammstein nichts verloren, und ein Baby mitzunehmen ist doch für das Kleine auch einfach nicht schön.)

Helge Schneider betrat die Bühne, unaufgeregt, unscheinbar. Nur einige Instrumente, ein Flügel, ein Schlagzeug und andere kleine Utensilien. Mit einem weiteren Gitarristen und einem Mann am Kontrabass führte er durch eine lustigen Abend. Ich muss ehrlich zugeben, dass die vielen jazzartigen Abschnitte der drei handwerklich beeindruckten, aber nach einiger Zeit langweilten, doch genau so ist nun mal Helge Schneider, ihm ist bewusst was er damit auslöst und er spielt damit, zieht es in die Länge, um das Puplikum auf eine Reise in seinen Kopf mit zu nehmen. 

Es war beeindruckend wie er Songs ans Puplikum anpasste, Texte änderte und Lieder förmlich neu erfand. Dieses Genie in seinem Element zu betrachten gefiel mir unglaublich gut. Er war lustig und unterhaltsam, immer wieder ließ er sich vom Kabel seines Mikrofons ablenken, welches er wieder und wieder akribisch entwirrte, brachten mich immer wieder zum Lachen. Nachdem mein junger Sitzmachbar lange ruhig war, fing dieser an nun immer wieder an zu meckern, noch weinte er nicht, doch lange würde es nicht mehr dauern, es war eine Geduldsprobe, denn mit einem jammernden Baby direkt neben mir konnte ich mich nicht mehr vollständig auf Helge Schneider einlassen. Gott sei Dank schien die würzig duftende Dame neben mir mit ihrem Kind dann irgendwann verstanden zu haben, dass es ziemlich störend für alle um sie sitzende war und sie verließ den Sitzbereich. 

Während dessen drehte Helge Schneider richtig auf, nahm das Puplikum bei „Katzenklo“ mit und spielte gleichzeitig Kalvier und Schlagzeug, was für mich unglaublich aussah, denn er schien beide Instrumente gleichzeitig auf einer Ebene zu beherrschen, die viele, die eines der beiden Instrumente spielten, nicht mit nur einem Instrument geschafft hätten. Seine flapsige, einfach wirkende Art dabei, unterhielt mich wunderbar und bereitete mir einen schönen Abend. Ich würde mir Helge Schneider vielleicht nicht noch einmal live ansehen, doch ich bin der Meinung, mal sollte diese Figur Helge Schneider einmal im Leben live erlebt haben.

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