Durch Zufall fand ich damals 2006 im Hugendubel Leipzig dieses Buch. Klappentext klang gut, also eingepackt und mit nach Hause genommen, natürlich noch bezahlt.
Im Buch geht es um eine Clique Jungs in der Zeit vor, während und nach der Wende. Geprägt von Gewalt, Hoffnungslosigkeit und fehlenden Perspektiven in einem sich wandelnden Land erschafft der Autor ein stimmiges Bild der damaligen Zeit. Wir begleiten die Freunde Daniel, Rico, Mark und Paul, wobei Daniel der Erzähler ist. Wir hoffen mit ihm, dass er den Weg von der schiefen Bahn findet, auf welcher er sich bewegt. Verloren jedoch scheint Rico, eigentlich ein talentierter Boxer mit Ambitionen, muss er aufgrund von Diebstählen bereits in jungen Jahren in den Jugendwerkhof, ein Ort, an dem zu DDR-Zeiten systematisch Menschen misshandelt wurden, um diese zu brechen und gefügig zu machen.
Wenn man das Buch liest, spürt man förmlich die Hinterhöfe, verlassene Industriegebäude und den fehlenden Halt von Menschen, die nicht ins Schema der DDR passten. Da ich selbst im Leipziger Umland aufgewachsen bin, kenne ich viele der im Buch benannten Orte, was die gesamte Geschichte für mich noch lebendiger macht. Als die Hauptfiguren dann auch noch eine illegale Disko aufbauen, kommen auch bei mir Erinnerungen hoch, oft habe ich von älteren Freunden von dieser wilden Zeit gehört und den legendären Abenden in genau solchen illegalen Clubs, also keine Erfindung des Autors sondern tatsächlich so geschehen.
Dadurch wird man mitgenommen in eine authentische Geschichte, mit Figuren, die einen einfach nicht kalt lassen. Man hofft so sehr, dass Rico doch noch den richtigen Weg findet, schließlich hätte er Profisportler werden können, nur um später die brutale Wahrheit des echten Lebens mitzubekommen, denn das Leben ist oftmals brutal und undankbar, das stellt der Autor mit beeindruckender Klarheit dar.
Es ist kein Buch für Menschen, die saubere Geschichten mit Happy End wollen, es ist eher eine ehrliche Darstellung einer verlorenen Generation voller Tragödien. Clemens Meyer verweigert uns die Erlösung. Er schlägt das Buch zu und lässt uns im Regen von Leipzig stehen, genau wie Daniel. Es gibt keine Antworten, nur die bittere Erkenntnis, dass manche Träume einfach krepieren.
Für mich persönlich ein Meisterwerk, welches ich Laufe der Jahre mehrfach gelesen habe. Es gab sogar eine Verfilmung die leider viel versucht, aber nichts erreicht hat. Lest unbedingt das Buch, den Film könnt ihr euch getrost sparen.
Fazit: 5 von 5 Sternen
Quelle Titelbild: https://filmpresse-meuser.de/als-wir-traumten/

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