Allys Meinung
Gestern hatte ich einen Full Circle Moment. Vor fünf Jahren, im Mai 2021, habe ich das Buch „Der Astronaut“ von Andy Weir gelesen und absolut geliebt. Gestern wurden geschriebene Worte zu bewegten Bildern. Gestern sah ich auf der Leinwand, was bisher nur in meinem Kopf war.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr auf einen Film gefreut und weil ich so so lange darauf gewartet habe, war ich gestern unglaublich aufgeregt. Ich hatte Angst, dass mir der Film nicht gefallen wird, hatte Angst, dass Dinge geändert wurden. Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich während der Abspann lief erst mal ein klein wenig enttäuscht war. Nicht weil der Film schlecht war, im Gegenteil, er war richtig gut. Aber etwas fehlte. Etwas kleines und doch irgendwie entscheidendes. Es fehlte einfach dieses Gefühl. Ich habe das Buch so sehr geliebt, ich liebe Buch und Film von „Der Marsianer“ vom selben Autor gleichermaßen, aber der Marsianer-Film und -Buch vermitteln gleichermaßen Hoffnung und Zusammenhalt, geben mir immer wieder aufs Neue Mut und Kraft. Das fehlte dem Astronauten-Film. Dieses letzte Fünkchen zur Fünf-Sterne-Bewertung.
Der Film war sehr nah am Buch, auch wenn gerade am Ende einiges gekürzt und gestrafft wurde. Ich verstehe das, denn der Film war mit zweieinhalb Stunden schon recht lang. Allerdings fehlte ein großer Teil des Kampfes um die Rettung der Erde, den Protagonist Dr. Ryland Grace ausfechtete. Und 15 Minuten länger hätten hier nicht geschadet.
Ich musste lachen und weinen, allerdings habe ich mit mehr Tränen gerechnet. Es gab eine Szene, in der ein paar Tränen flossen, eine Szene, von der ich es gar nicht erwartet habe, dass sie mich so aufwühlt. Beim Buch habe ich an einigen Stellen geweint, musste das Buch auch ab und zu zur Seite legen, da mich manche Entwicklungen bedrückt haben. Dieses Gefühl der Beklemmung hat der Film bei mir nicht ausgelöst, obwohl die Menschheit mit der Auslöschung konfrontiert wird.
Ich habe im Buch und im Film die Komik geliebt, der Humor war on point und ähnlich zum Marsianer. Allerdings war es mir im Astronauten-Film fast schon zu humorvoll. Es gab kaum eine Szene ohne Lacher, selbst als Bedrohungen auftauchten wurden Witze gemacht. Dadurch fehlte mir eben dieses schon beschriebene beklemmende Gefühl, welches beim Lesen ausgelöst wurde.
Die Besetzung war grandios, Ryan Gosling spielt die Dr. Ryland Grace unfassbar gut. Ich habe so sehr mit ihm mitgefühlt, seine Mimik war unglaublich. Nur die Rolle der Eva Stratt wird dem Buch nicht gerecht. Sie hat eigentlich eine so krasse und wichtige Funktion, sie kann alles möglich machen und das kommt im Film fast gar nicht rüber. Ich meine nicht die schauspielerische Leistung sondern nur wie ihre Figur wirkt. Die Karaoke-Szene habe ich aber geliebt und „Sign of the Times“, der epische Titelsong des gesamten Films, verursacht auch jetzt noch eine Gänsehaut und lässt mich das Erleben des Films vermissen.
Die Verfilmung des Marsianers liefert uns am Ende wundervolle zusätzliche Szenen, das Buch endet früher. Ich habe so gehofft, dass das Buch-Ende des Astronauten beibehalten wird und noch mehr habe ich auf zusätzliche Informationen von der Erde gehofft. Ich wurde nicht enttäuscht. Die letzten Worte in Buch und Film sind fast identisch. Von der Erde hätte ich gern noch mehr gesehen, aber wie im Buch bleibt auch hier Raum für eigene Gedanken.
Fünf Jahre habe ich auf den Film gewartet, ich musste das alles erst mal verarbeiten. Es wirkt alles immer noch in mir nach und ich kann es kaum erwarten, mir den Film noch mal anzuschauen, sobald er online verfügbar ist.
Ich kann „Der Astronaut“ definitiv empfehlen, die Bilder, der Soundtrack, die Besetzung sind einfach großartig. Der Film unterhält, löste in mir persönlich aber nicht dieses intensive Nachhallen aus wie das Buch.
Ein Tipp: Schaut euch nicht die Trailer an, hier wird einfach viel zu viel verraten und vorweg genommen!
Andys Meinung
Im Gegensatz zu Ally war das Buch für mich kein Highlight, solide und unterhaltsam mit einer guten Grundidee, keine Frage. Ein Buch das man gut lesen kann zur Unterhaltung und darüber nicht enttäuscht ist. Dementsprechend freute ich mich auf den Kinoabend, war aber nicht so gehypt, allein schon weil ich deutlich öfter ins Kino gehe als Ally. Als ich erfuhr, welche Spielzeit uns erwartete (Sonntag 16 Uhr), war ich erst mal etwas demotiviert, aber wurde schnell eines besseren belehrt.
Der Film ist von Anfang an klar strukturiert und nachvollziehbar. Man wird abgeholt und in eine bildgewaltige Welt entlassen. Ganz toll war, dass der Weg weg ging vom Stil „Wir spielen alles vor Green Screen und basteln uns das zusammen“ hin zum altmodischen Bühnenbau, selbst außergewöhnliche Dinge wurden mittels echter Figuren dargestellt und das merkt man. Für einen Schauspieler ist es nun einmal leichter in einem echten Set abzuliefern und verdammt, das hat Ryan Gosling gemacht. Aber mal im ernst, selbst ich fand ihn in der Rolle unglaublich attraktiv und er spielte wahnsinnig gut.
Die Zeit verging wie im Flug und fesselte mich an die Leinwand, die Hauptfigur versucht selbst in ausweglosen Situationen sein eigenes Wesen nicht zu verlieren und das ist nun mal der etwas schrullige kindlich gebliebene hochbegabte Kerl und das bringt er im Film fantastisch rüber.
Für mich ein Film, den man mal sehen sollte, muss nicht im Kino sein, aber wenn er auf den üblichen Streamingplattformen kommt, zieht ihn euch rein. Aber besser ohne dabei aufs Handy zu schaue, denn es wird mit Stilmitteln gespielt, die man nicht verpassen sollte.

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