Andy's Rezensionen

Memories of Heidelberg (Heinz Strunk)

Ein Buch zur Ferienzeit – so schrecklich komisch wie „Ein Sommer in Niendorf“
Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in Heidelberg mal einen richtig schönen Kurzurlaub gönnen. Vielleicht vertreibt das ja auch den seelischen Smog über dem Eheleben. Das Boutiquehotel ist für das viele Geld gar nicht so toll; dafür haben die beiden gleich einen neuen Stamm-Italiener ausgemacht. Das Restaurant voller Flair befindet sich auf einem alten Flussschiff im Neckar. Während die Ehe der beiden im Verlauf einer Woche zusehends aus der Form gerät, wird auch der abendliche Gang auf das Restaurantschiff immer mehr zur Enttäuschung, zur Strafe, zur Höllenqual. Das Teuflische bricht mit verheerender Macht in den Alltag, am Ende steht eine Katastrophe – und das alles zum Schlager-Oldie Memories of Heidelberg in Dauerschleife. (Zitat Klappentext)

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Meine Meinung

Betram und Isolde, verheiratet seit nunmehr 17 Jahren, haben sich eigentlich nichts mehr zu sagen, warum die beiden noch immer zusammen sind und an ihrer Ehe festhalten? Heinz Strunk gibt einem darauf keine Antwort, treibt das ganze lieber immer weiter vorwärts. Vorab, für mich gibt es keinen der wie Heinz Strunk in der Lage ist, banale Geschehnisse des Alltages so bildegewaltig, liebevoll und fesselnd zu erzählen wie er. So passiert es auch hier, eigentlich ist das Ehepaar zum 80. Geburtstag der Schwiegermutter von Nerteam eingeladen und deswegen in Heidelberg, doch aufgrund einer beidseitigen Nierenbeckenentzündung landet diese kurz vorher im Krankenhaus und das Skurrile nimmt seinen Lauf.

Äußerst unterhaltsam erzählt Heinz Strunk von einer Woche im Boutique Hotel & Spa Kurpfalz, 500 € kostet die Suite, welche unsere beiden tragischen Hauptfiguren sich gegönnt haben. Was dann passiert? Eigentlich gar nicht so viel, doch immer wieder landet grade Bertram in menschlichen Schlamasseln, befeuert von seiner wenig liebevollen Partnerin, welche stets und ständig an ihm zu schimpfen hat. Für mich hatte Isolde schon toxische Züge, Betram sehnte sich immer wieder nach kleinsten Formen der Bestätigung, doch sie ließ ihm wenig Freude, suchte lieber die Schuld bei ihm. Immer tiefer stolpern die beiden, Strunk versteht es auch hier, eine skurrile, komische und gleichzeitig zum Fremdschämende Szene nach der nächsten aufzubauen. Man möchte die beiden schütteln und sagen „Mensch, trennt euch doch, ihr tut euch nicht gut“. Doch es geht immer und immer weiter, allabendlich wird ein Restaurantschiff besucht, in dem die Mitarbeiter und der Chef schnell immer unhöflicher werden, das Essen immer schlechter schmeckt, dafür teurer wird und trotzdem geht unser skurriles Ehepaar Abend für Abend wieder dort hin, um sich erniedrigen zu lassen. Teilweise schafft es Strunk, dass es schwer fällt, weiter zu lesen ,so sehr schämt man sich selbst. Das Ganze wird dann gebrochen von urkomischen Momenten ,wie sie nur der stupide Alltag erzeugen kann. Es ist wie bei jedem Buch von Heinz Strunk unglaublich beeindruckend, wie scheinbar mühelos er detailreiche Bilder im Kopf des Lesers erzeugen kann. 

Fazit

Ein wieder einmal sehr gelungenes, urkomisches, sprachlich geniales Buch über die Banalität des Alltags, das man gelesen oder gehört haben muss. Das Hörbuch übrigens wurde wieder einmal durch Heinz Strunk selbst eingesprochen, sein Stil setzt dem Ganzen hier noch die Krone auf.


Allgemeines zum Buch

Autor: Heinz Strunk
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 17.07.2026
Seiten: 176
Genre: Romane & Erzählungen
Einzelband
Meine Bewertung: 5/5 Sterne

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